Der Groupon Börsengang – Eine Analyse

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Groupon hat am 3. Juni offiziell seinen Börsengang bekanntgegeben. Seitdem überschlagen sich im Web die Schlagzeilen zum geplanten IPO, überwiegend mit skeptischem Ton. Ich habe mir das Ganze mal näher angesehen.

CityDeal-Übernahme
Bei der Übernahme von CityDeal durch Groupon im Mai 2010 wurden keine Details zum Übernahmepreis genannt. Durch die Veröffentlichung des Börsenprospektes ist nun klar, wie der Kauf vonstattenging. Die Investorengruppe (Samwer-Brüder über Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures, eVenture Capital Partners, Kinnevik) erhielten 41.400.000 Groupon-Anteile sowie 600.000 US-Dollar in bar. Damit wurde die Übernahme zum damaligen Zeitpunkt mit 126 Mio. USD bewertet – heute liegt sie um ein Vielfaches höher. Ein Viertel der Anteile wurde von den Investoren bereits veräußert. Aktuell halten sie noch 10,3% der Groupon-Anteile. Sollte Groupon beim anstehenden Börsengang mit 20 Mrd. USD bewertet werden, hätten diese Anteile einen Wert von 2 Mrd. USD! Dies würde alles in den Schatten stellen, was die Samwer-Brüder bei vergangenen Exits wie Alando, Jamba oder studiVZ erlöst haben.

Umsatz = Umsatz?
Zugegebenermaßen ist die Umsatzentwicklung von Groupon atemberaubend (siehe Grafik). Jedoch muss an dieser Stelle auch kritisch hinterfragt werden, was man denn eigentlich unter Umsatz versteht. Denn Groupon bilanziert den Umsatz der Groupon-Verkäufe vollständig als Umsatz. Ein Beispiel: Bei einem Gutscheinpreis von 25 EUR mit einem Wert von 50 EUR (50% Rabatt) bilanziert Groupon die vollen 25 EUR als Umsatz, obwohl ca. die Hälfte davon an die Einzelhändler fließt. Für das erste Quartal 2011 hat Groupon einen Gesamtumsatz von rund 645 Millionen Dollar erzielt. Direkt darunter werden dann 375 Millionen als umsatzbezogene Kosten ausgewiesen, so dass am Ende 270 Millionen Dollar Rohertrag übrig bleiben. 645 Mio. Umsatz klingen natürlich gewaltiger als “nur” 270 Mio. Umsatz.

Kennzahlen-Akrobatik
Ich fühle mich in diesen Tagen zurückerinnert an die Dotcom-Blase, die im Jahr 2000 platzte. Auch hier wurden völlig neue Kennzahlen erfunden, welche die tatsächliche Lage extrem verzerrt haben und das Investment als hoch attraktiv aussehen lassen. Groupon hat im Börsenprospekt eine neue Kennzahl namens “Adjusted Consolidated Segment Operating Income” erfunden. Hier werden mal spontan die immensen Marketing-Kosten und die Aktienbeteiligungen der Mitarbeiter herausgerechnet. Und siehe da, schon haben wir für das erste Quartal 2011 einen adjustierten Gewinn von 81,6 Mio. USD, anstatt einen operativen Verlust von 117 Mio. USD.<

Positiver Cashflow
Die Kennzahl Cashflow gilt als ein wichtiger Indikator der Zahlungskraft und des Innenfinanzierungspotenzials eines Unternehmens. Bei Groupon ist der Cash-Flow positiv. Er betrug im vergangen Jahr immerhin 72 Mio. USD. Diese Tatsache ist als positiv zu bewerten, da Groupon somit sein operatives Geschäft und Wachstum aus den laufenden Einnahmen finanzieren kann. Dies hängt aber zwangsläufig auch damit zusammen, dass Groupon den Gutscheinpreis vorab kassiert und die Händler die anteiligen Einnahmen erst nach 60 Tagen erhalten. Zudem wirkt eine Nicht-Einlösungsquote von ca. 20% als operativer Hebel.

Konkurrenzsituation
Groupon hat ohne Frage eine sehr komfortable Ausgangssituation und in diesem Zusammenhang erscheint mir der First-Mover- und Knowhow-Vorteil als extrem erfolgskritisch. Auch der hohe Professionalisierungsgrad im Vertrieb spricht derzeit für Groupon. Hier ein paar aktuelle Zahlen, die das unterstreichen:

• Angemeldete Mitglieder: 83 Millionen
• Teilnehmende Händler: über 55.000
• Zahl der Mitarbeiter: über 7.000 (darunter 3.500 im Vertrieb sowie 400 City Planner)

Das Couponing-Business ist sehr personalintensiv und vertriebslastig. Immer häufiger wird in Beiträgen der Absturz von Groupon, aufgrund des Markteintritts von Facebook und Google, prophezeit. Ich sehe das etwas anders, denn der Zeitvorsprung von Groupon wird man so schnell nicht wettmachen können. Google und Facebook können zwar die immensen Verbund- und Synergieeffekte ausnutzen, aber der Aufbau einer speziellen Vertriebsmannschaft und die Gewinnung von Händlern wird Zeit in Anspruch nehmen. Es ist dennoch anzunehmen, dass die Margen durch die Mitbewerber unter Druck kommen. Zur Konkurrenzsituation werde ich in den nächsten Tagen noch einen speziellen Beitrag aus meiner Masterthesis posten.

Alles Hype oder was?
Die bisherige Erfolgsgeschichte von Groupon ist sicherlich bemerkenswert. Die erwartete Bewertung zwischen 20 Mrd. und 30 Mrd. USD preist die sehr hohen und optimistischen Zukunftserwartungen der Investoren ein. Das Schnäppchenportal muss jedoch noch beweisen, dass es profitabel wirtschaften kann. Der positive Cashflow ist vorteilhaft, die phantasievolle Bilanzierung erinnert jedoch sehr an den Hype 1.0 zur Jahrtausendwende. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass wir es hier mit einer gleichen Entwicklung zu tun haben, denn dafür ist die Anzahl der Börsengänge noch relativ überschaubar. Sicher ist aber, dass die Mehrzahl der Deal-Plattformen wohl nicht überleben werden und eine Marktkonsolidierung unausweichlich ist. Groupon hat gute Chancen, durch den Börsengang das weitere Wachstum aggressiv voranzutreiben. Neue Wettbewerber wie Google und Facebook könnten die Erfolgsstory aber bedrohen. Alles Hype oder was? Ich denke Jein.

Weitere interessante Quellen und Artikel:
Börsenprospekt von Groupon (SEC)
Here’s What All The Groupon Haters Are Missing: It’s Cash-Flow Positive (Henry Blodget)
Alles zum Groupon-Börsengang (Gründerszene)
Groupon IPO: Erkenntnisse aus den Geschäftsunterlagen (Exciting Commerce)
Groupon-Analyse: Die Zeichen stehen auf Fiasko (t3n)
Tückische Rabattschlacht im Internet (Wirtschaftswoche)



2 Kommentare

  1. Entenfrosch sagt:

    Gratulation zum Spezialblog “Couponing”.

    Die grundsätzliche ‘Tendenz des Blogbeitrages geht in die richtige Richtung.
    Als Insider im Thema kann ich nur eindeutig vor dem Erwerb von Groupon – Anteilen warnen!
    Die Samwer – Brüder schmücken die Braut und haben alle Weichen auf einen schnellen Exit ohne Rücksicht auf Verluste gestellt.
    Weder die angegebenen Zahlen stimmen mit der Realität überein ( alle publikumswirksamen Zahlen sind drastisch geschönt) noch hat der größte Teil der Lieferanten Lust, ein weiteres Mal mit Groupon zusammenzuarbeiten. Weder hält sich das Unternehmen an Versprechen gegenüber den Lieferanten, noch gegenüber Ihren “Kunden” . Die weitaus größte Zahl der Kunden ist über Geschenke aufs Portal gelockt worden, und nur ein verschwindend geringer Teil der Neukunden kauft nach.
    Wer 10.- Euro Tankgutscheine für 5.- Euro weiterverkauft und diese Kunden den Investoren dann als zahlungskräftige Mitglieder präsentiert, ist kein Ernst zu nehmender Partner.
    Die bundesdeutsche Hotellerie wendet sich geschlossen von Groupon ab, was jedoch das Hauptstandbein bei den Ticketverkäufen darstellt.
    Des Weiteren stehen einige wirklich gut ausgestattete Mitbewerber auf dem Plan, um sich ebenfalls einen Teil des Kuchen abzuschneiden.
    So will beispielsweise Dirk Schröer 30 Mio. in seine Plattform stecken, um Groupon mit einem deutlich attraktiveren System die Butter vom Brot zu holen.
    Ausserdem setzt sich in der Szene durch , daß dem Handel nur noch eine Vermittlungsquote von 30% abgezogen werden soll, was Groupon eine Margenverringerung von nahezu 40% beschert.
    Groupon kann seinen agressiven Expansionsstil nur mit einer vehement teuren und aufwendigen Eroberungsstrategie erreichen, was allerdings von den betroffenen Vertriebsmitarbeitern mit massenhaften Kündigungen quittiert wird.
    Die Behandlung der Mitarbeiter ist Samwer – typisch mieserabel und hat keinen Bestand. Was besonders auffällt: Das Gros der guten Mitarbeiter hat mittlerweile die Seiten gewechselt und ist allerorten bei den Konkurrenzunternehmen anzutreffen.

    Wer bis heute noch nicht verstanden hat, daß Groupon allenfalls 100 Mio. Bewertung verdient und nicht das 100 – Fache, hat entweder das Geschäftsmodell noch nicht verstanden, oder zockt mit fremder Leute Geld, denn sein eigenes würde er sicher nicht derart windig investieren.
    Und…. wer hätte das gedacht: Die Samwers haben sich ja Ihren Teil schon aus dem Topf genommen, und wenn der Rest dann anbrennt, der Hunger ist ja schon gestillt!

    Wohl bekomms!

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